Erfolgreiche Fallbeispiele

Aus der Praxis.
Messbar.
Überzeugend.

Kläranlage Norden: Weniger Chemieeinsatz, mehr Arbeitssicherheit

Die Kläranlage der Stadt Norden in Ostfriesland reinigt täglich etwa 6.000 m3 Abwasser. Seit 2019 setzt der Leiter Holger Lind eine auf Effektiven Mikroorganismen basierende Multi-Mikroben-Mischung ein. Der Schwerpunkt der Anwendung liegt dabei nicht in der Kläranlage selbst, sondern an ein paar vorgelagerten Dosierstationen im Kanalnetz.

Bereits nach wenigen Monaten zeigten sich deutliche Verbesserungen. Die zuvor starke Geruchsbelastung verschwand vollständig – auch im Einlaufgebäude der Kläranlage, wo trotz des Einsatzes chemischer Mittel keine zufriedenstellende Lösung erreicht worden war. Die mikrobiologische Behandlung konnte die chemischen Mittel komplett ersetzen. Zusätzlich wurden langjährig aufgebaute Ablagerungen im Kanalnetz und in den Rohrleitungen biologisch abgebaut. Die Sielhaut – eine zentimeterdicke Bakterienschicht an den Rohrinnenwänden – löste und erneuerte sich. Ebenso wurden alte Fett- und Kalkablagerungen nach und nach abgebaut, ohne dass aufwendige mechanische oder chemische Reinigungsmaßnahmen erforderlich waren.

Der weitgehende Verzicht auf Chemikalien verbessert nicht nur die Wirtschaftlichkeit, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Arbeitssicherheit. Mitarbeitende kommen deutlich seltener mit potenziell gefährlichen Stoffen in Kontakt. Gleichzeitig wird die Umweltbelastung reduziert.

Die angesetzte Belastung von rund 44.000 Einwohnerwerten sank auf etwa 33.000. Dies deutet darauf hin, dass bereits im Kanalnetz verstärkt biologische Abbauprozesse stattfinden. Ein weiterer positiver Effekt zeigte sich bei der Schlammmenge: Der zu entsorgende Klärschlamm konnte um rund 20 % reduziert werden – und damit auch die Entsorgungskosten.

Durch den deutlich geringeren Chemikalieneinsatz ergibt sich nach Hochrechnungen von Lind ein wirtschaftlicher Vorteil von   rund 50.000 bis 60.000 Euro pro Jahr.

Kläranlage der Stadt Norden in Ostfriesland

Leiter der Kläranlage: Holger Lind

Kläranlage Emlichheim: H₂S reduziert, Tausende Liter Eisenfällmittel gespart

Aufgrund der positiven Erfahrungen in einem Klärteich wurde die auf EM basierende Multi-Mikroben-Mischung im Jahr 2022 auch in der rund 15 Kilometer langen Abwasserdruckrohrleitung der Kläranlage Emlichheim eingesetzt. Initiiert hat das Projekt der Klärwerksmeister Gerold Hartger. Über die Leitung mit einem Durchmesser von 25 Zentimetern werden täglich etwa 800 bis 1.000 m³ Abwasser gefördert.

Ziel war es, die Bildung von H₂S und die damit verbundenen Geruchs- und Korrosionsprobleme nachhaltig zu reduzieren. Vor Beginn der Behandlung lagen die H₂S-Konzentrationen am Ende der Druckrohrleitung zwischen 150 und 500 ppm. Zur Begrenzung der Schwefelwasserstoffbildung wurden täglich 120 bis 150 Liter Eisenfällmittel eingesetzt. Die Chemikalie erzeugte jedoch einen schwarzen Eisenschlamm, der die Hydraulik der Leitung zunehmend beeinträchtigte. Die Folgen waren Verstopfungen der Be- und Entlüfter, regelmäßig notwendige Molchreinigungen sowie längere Pumpenlaufzeiten mit steigendem Energieverbrauch und höherem Verschleiß.

Nach der letzten Molchreinigung wurde die Multi-Mikroben-Mischung zunächst parallel zum Fällmittel dosiert. Nach rund drei Monaten stellte sich der gewünschte Effekt ein: Die Geruchsbelastung verschwand vollständig. Anschließend konnte die Dosierung des Eisenfällmittels schrittweise reduziert und schließlich vollständig eingestellt werden, da kein Schwefelwasserstoff mehr nachgewiesen werden konnte.

Heute wird die Druckrohrleitung ausschließlich mit der Multi-Mikroben-Mischung betrieben. Nach Angaben von Gerold Hartger kommt das Abwasser „so frisch aus der Druckleitung, wie es hineingelangt“. Gleichzeitig konnten bereits Tausende Liter Eisenfällmittel eingespart werden.

Da keine wassergefährdenden Chemikalien mehr gelagert werden, entfallen zudem die wiederkehrenden TÜV-Behälterprüfungen. Auch der Wartungsaufwand für Rohrleitungen, Be- und Entlüfter sowie Pumpen hat sich deutlich reduziert.

Dosierstation in Emlichheim

Klärwerksmeister: Gerold Hartger

Teichkläranlage Lich-Eberstadt: Gesenkter pH-Wert, stabiler Anlagenbetrieb

Die Teichkläranlage Lich-Eberstadt in Hessen reinigt täglich rund 200 m3 Abwasser und ist für etwa 965 Einwohnerwerte ausgelegt. Die Anlage besteht aus drei hintereinander geschalteten Teichen. Der erste Teich verfügt über ein Volumen von 1.935 m3. Anschließend folgt ein belüfteter Festbettreaktor zum Ammoniumabbau. Der zweite Teich fasst 898 m3. Die beiden ersten Teiche werden über Teichbelüfter kontinuierlich mit Sauerstoff versorgt. Der dritte Teich dient als Schönungsteich ohne klärtechnische Funktion.

Seit 2024 setzt Abwassermeister Sebastian Marie Schäfer die auf EM basierende Multi-Mikroben-Mischung ein. Auslöser war ein Problem im dritten Teich der Anlage. Dort kam es zu biogenen Entkalkungsprozessen, wodurch der pH-Wert auf über 9 anstieg. Der zulässige Grenzwert im Ablauf liegt jedoch bei 8,0. Mehrere Versuche, das Problem mit chemischen Produkten zu lösen, blieben ohne Erfolg.

Nach Beginn der Behandlung – die Mikroorganismen werden über eine mobile Dosiereinheit in den dritten Teich eingebracht – zeigte sich bereits nach kurzer Zeit eine deutliche Stabilisierung. Der pH-Wert sank dauerhaft auf etwa 7,6 und blieb damit sicher unter dem zulässigen Grenzwert.

Neben der Stabilisierung des pH-Wertes verbesserten sich auch die Ablaufwerte. Sowohl die Ammonium- als auch die CSB-Werte lagen nach Angaben des Anlagenbetreibers zwischen einem Drittel und der Hälfte unter den vorherigen Werten.

Die Erfahrungen in Lich-Eberstadt zeigen, dass mikrobiologische Verfahren auch in kleineren Teichkläranlagen eine wirksame Alternative zu chemischen Behandlungsmaßnahmen darstellen können. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, die Reinigungsleistung der Anlage zu verbessern und den Anlagenbetrieb zu stabilisieren.

Schönungsteich in Lich-Eberstadt

Abwassermeister: Sebastian Marie Schäfer

Franz Kapser

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